Third Wave Coffee: Bedeutung, Aufbereitung & Hotspots

Third Wave Coffee: Bedeutung, Aufbereitung & Hotspots

Third Wave Coffee: Bedeutung, Aufbereitung & Hotspots

Third Wave Coffee steht für eine bewusste, transparente und qualitätsorientierte Kaffeekultur. Statt „nur“ Koffein geht es um Herkunft, Varietäten, Kaffee Aufbereitung, Röstprofile und eine Zubereitung, die die sensorische Qualität in den Mittelpunkt stellt. Dieser Leitfaden erklärt Ursprung und Werte der Bewegung, zeigt die Rolle moderner Aufbereitungen und Fermentationen, nennt Hotspots in Deutschland und weltweit, beleuchtet Saisonalität und gibt praxisnahe Rezepte für Filter und Espresso.

Was ist Third Wave Coffee? Ursprung, Werte und Abgrenzung

Die „dritte Welle“ beschreibt die Entwicklung von Kaffee als Genuss- und Herkunftsprodukt. Nach Massenware (erste Welle) und Café-Kultur mit Espresso-Drinks (zweite Welle) folgt der Fokus auf terroirgeprägte Aromen, nachhaltige Lieferketten, schonende Röstung und präzise Brühmethoden. Third Wave Coffee (auch „third wave Kaffee“) will Kaffee so behandeln wie Wein: mit Respekt für Produzentinnen und Produzenten, klare Transparenz von der Farm bis zur Tasse und einem hohen Anspruch an Qualität und Handwerk.

Werte, die häufig genannt werden:

  • Rückverfolgbarkeit: Farm, Region, Varietät, Aufbereitung, Lot-Größe, Erntedatum
  • Qualität vor Quantität: sorgfältige Selektion und schonende Röstung
  • Fairere Bezahlung: Preisaufschläge über Commodity-Level, oft Direct Trade
  • Wissensaustausch: Barista-Kompetenz, sensorische Schulung, offene Rezepte
  • Nachhaltigkeit: ökologische und soziale Verantwortung entlang der Kette

Third Wave vs. Specialty Coffee: Unterschiede und Überschneidungen

Specialty Coffee ist ein Qualitätsstandard, der über sensorische Bewertung (z. B. 80+ SCA-Punkte) definiert wird. Third Wave Coffee ist eine Bewegung bzw. Haltung. In der Praxis überschneiden sich beide stark: Third-Wave-Röster arbeiten fast immer mit Specialty-Rohkaffee. Nicht jeder Specialty-Kaffee wird jedoch in einem „Third-Wave“-Kontext serviert oder kommuniziert. Kurz: Specialty ist die Qualitätsbasis, Third Wave der kulturelle Rahmen.

Was macht Third-Wave-Kaffees besonders? Fokus auf die Aufbereitung

Die Aufbereitung (Processing) bestimmt maßgeblich, wie ein Kaffee schmeckt. Neben Anbaulage und Varietät beeinflusst sie Süße, Klarheit, Körper und Aromatik – und eröffnet die Vielfalt, die Third Wave Coffee feiert.

Washed, Natural, Honey: Einfluss auf Aroma, Körper und Klarheit

Washed (gewaschen): Das Fruchtfleisch wird entfernt, der Samen fermentiert kurz in Wasser und trocknet danach. Ergebnis: hohe Klarheit, ausgeprägte Säure, saubere Frucht- und Floralnoten. Perfekt, wenn du klare, präzise Tassen liebst.

Natural (trocken): Die Kirsche trocknet um den Kern. Mehr Fruchtkontakt ergibt oft reife, süße, manchmal weinige Noten und mehr Körper. Gefahr von „Funky“-Tönen, wenn nicht sauber gearbeitet wird – gleichzeitig großartig für expressive Tassen.

Honey (Pulped Natural): Zwischenform: Fruchtfleisch wird entfernt, Mucilage (Schleimschicht) bleibt an den Bohnen. Je nach Anteil (Yellow/Red/Black Honey) variieren Süße, Körper und Klarheit. Vielseitig und beliebt für balancierte Profile.

Neue Fermentationsmethoden: Carbonic Maceration, Anaerobic, Yeast

Innovative Fermentationen erweitern das Spektrum – inspiriert von Weinbereitung und Mikrobieologie:

  • Carbonic Maceration (CM): Ganze Kirschen in CO₂-gesättigen Tanks, kontrollierte Temperatur. Ergibt samtige, tiefe Frucht, komplexe Süße, polierte Tannine – oft elegant und „weinartig“.
  • Anaerobic Natural/Washed: Sauerstoffarme Fermentation mit genauer Zeit-/Temperaturkontrolle. Kann zu intensiver Aromatik (Tropenfrucht, Gewürz, Rumrosine) führen, bei sauberer Prozessführung trotzdem strukturiert.
  • Yeast-Inoculation: Definierte Hefestämme steuern die Fermentation. Ziel: reproduzierbare, spezifische Aromaprofile (z. B. mehr Steinfrucht, Zitrus oder florale Komplexität).

Wichtig: Qualität entsteht nicht durch „Buzzwords“, sondern durch sorgfältige Prozesskontrolle, Trocknung und Lagerung. Seriöse Röster kommunizieren Lot-Infos und setzen solche Methoden maßvoll ein.

Simon sitzt in einer Ecke im Cafe


Wo wird Third Wave Coffee am meisten getrunken?

Third Wave Coffee hat sich weltweit verbreitet – von trendbewussten Großstädten bis in kleinere Communities. In Deutschland gibt es inzwischen in vielen Städten eine lebendige Szene.

Deutschland: Berlin, Hamburg, München, Köln, Leipzig

Berlin: Dichte Szene mit Röstereien und Cafés, die Filter und helle Espressoröstungen zelebrieren. Internationales Publikum, experimentierfreudige Profile und Wettkampf-Baristi sind prägend.

Hamburg: Hanseatisch geradlinig, aber vielseitig: von klaren, skandinavisch inspirierten Röstungen bis zu zugänglichen Alltagsfiltern. Viele Cafés mit Fokus auf Handaufguss.

München: Präzision und Handwerk – helle Espressi, moderne Mühlen, saubere Extraktion. Hoher Anspruch an Equipment und Service.

Köln: Engagierte Röster mit starker Community. Cafés, die Wissen teilen, Cuppings anbieten und saisonale Releases feiern.

Leipzig: Wachsende Szene, kreative Cafés, die sowohl Filterklassiker als auch moderne Fermentationslots auf die Karte setzen.

Europa & weltweit: Skandinavien, UK, USA, Australien, Asien

  • Skandinavien: Pionierregion für sehr helle Röstgrade, maximale Klarheit und Transparenz.
  • UK: London als Drehkreuz, starke Wettbewerbs‑ und Bildungslandschaft.
  • USA: West- und Ostküste prägen Trends: Single-Origin-Espresso, Pour-over-Bars, experimentelle Fermentationen.
  • Australien: Café-Kultur mit hoher Alltagsqualität, exzellente Milchgetränke und präzise Espressoarbeit.
  • Asien: Japan, Südkorea, Taiwan: Perfektion in Handwerk und Service; wachsender Fokus auf Mikro-Lots.

Saisonalität: Erntefenster, Fresh Crop und Verfügbarkeit im Jahresverlauf

Kaffee wird weltweit zu unterschiedlichen Zeiten geerntet. „Fresh Crop“ bedeutet: frisch geerntet, sorgfältig verarbeitet und nach ausreichender Ruhezeit (Restentgasung, Lagerstabilisierung) geröstet. Frische beeinflusst Aromatik, Süße und Klarheit.

  • Ostafrika (Äthiopien, Kenia): Ernte grob Nov–Feb; Ankünfte in Europa häufig Frühling/Sommer.
  • Zentralamerika (Guatemala, Costa Rica): Ernte Dez–März; Ankünfte oft Sommer/Herbst.
  • Südamerika (Brasilien): Ernte Mai–Sept; Ankünfte Spätherbst/Winter.
  • Kolumbien: Erntefenster je nach Region verteilt (Haupt- und Nebenblüte) – dadurch oft ganzjährig Verfügbarkeit.
  • Asien (Indonesien): Ernte meist Mitte Jahr; Aufbereitungen häufig natural/wet-hulled mit charakteristischem Profil.

Praxis: Röster rotieren ihre Single Origins übers Jahr. Achte auf Erntejahr, Ankunftsdatum und Röstfrische. Sehr alte Ernten schmecken flacher (Papier, Nuss), während frische Lots lebendig und süß wirken – besonders bei helleren Röstgraden.

Kaufberatung: Bohnenwahl, Röstgrad, Transparenz und verantwortungsvoller Einkauf

Start mit deinen Präferenzen: Magst du klare Zitrusnoten, florale Tees oder eher Brombeerkompott und Kakao? Wähle danach Region, Varietät und Aufbereitung. Lies die Noten auf dem Label – seriöse Röster legen Lot-Infos offen und beschreiben sensorische Ziele.

  • Röstgrad: Helle bis mittlere Röstungen für Filter und modernen Espresso. Dunkel nur, wenn du kräftig-bitter bevorzugst.
  • Zubereitung: Pass die Bohne an dein Setup an (Handfilter vs. Siebträger). Single-Origin-Espresso erfordert mehr Feintuning.
  • Transparenz: Farmnamen, Lot-Größe, Erntejahr, Aufbereitung, Preisaufschlag, Importpartner – je klarer, desto besser.
  • Verantwortung: Achte auf langfristige Beziehungen, nachvollziehbare Mehrpreise und Lager-/Transportstandards.

Direct Trade, Preisaufschläge, Zertifizierungen und Lot-Infos

Direct Trade beschreibt den direkten oder näheren Handel zwischen Röster und Produzent, häufig mit Qualitätsboni. Vorteil: mehr Geld an der Farm, Feedbackschleifen, stabilere Partnerschaften. Nicht immer möglich, aber zunehmend verbreitet.

Zertifizierungen (z. B. Bio, Fairtrade, Rainforest) können Orientierung geben, doch Third Wave Coffee verlässt sich oft zusätzlich auf Transparenzberichte: gezahlte FOB-Preise, Qualitätsprämien, Langzeitverträge. Wichtig ist, dass Mehrwerte an der Farm ankommen.

Lot-Infos helfen bei der Einordnung: Varietät (z. B. Heirloom, SL28, Caturra), Höhe, Processing, Erntejahr, Trocknungsdauer, Screen-Size. Solche Details sind keine Zierde – sie erklären die Tasse.

Zubereitungstipps für Third-Wave-Profile

Präzision zahlt sich aus. Nutze frisches, weiches Wasser (ca. 60–100 ppm TDS), eine saubere Mühle, genaue Waage, Timer und konsistente Technik. Feintuning erfolgt über Mahlgrad, Verhältnis, Temperatur und Agitation.

Rezepte für V60, AeroPress und Espresso nach Aufbereitung

Die folgenden Startpunkte berücksichtigen typische Stärken der Aufbereitungen. Taste dich in kleinen Schritten heran.

  • Washed – V60 Pour-over
    • 18 g Kaffee, 300 g Wasser (1:16,7), 93–94 °C
    • Mahlgrad: mittel-fein (freier Fluss, 2:30–3:00 min)
    • Bloom 40 g/35 s, dann in 3–4 ruhigen Aufgüssen auf 300 g
    • Ziel: Klarheit, Zitrus/Blüte; zu dünn? feiner mahlen. Zu sauer? heißer/brühen oder länger extrahieren.
  • Natural – AeroPress (inverted)
    • 15 g Kaffee, 225 g Wasser (1:15), 92–93 °C
    • Mahlgrad: mittel
    • Gießen bis 225 g, 1:15 min ziehen, 3–4 sanfte Stirs, auf 2:00 min pressen (20–30 s)
    • Ziel: Saftige Süße, voller Körper; zu „funky“? kühleres Wasser, kürzere Kontaktzeit.
  • Honey – Flat-Bed-Dripper (Kalita) oder V60
    • 20 g Kaffee, 320 g Wasser (1:16), 92–93 °C
    • Mahlgrad: mittel
    • Sanfte, gleichmäßige Aufgüsse, Gesamtzeit 2:45–3:15
    • Ziel: Balance aus Süße, Körper und Klarheit; Anpassung über Flussrate und Agitation.
  • Espresso – helle Röstung, Single Origin
    • 18 g in, 36–42 g out, 26–32 s, 93–94 °C
    • Washed: eher höheres Verhältnis (1:2.3–1:2.4) für Klarheit
    • Natural: kürzer (1:2.0–1:2.2) für Süße/Körper
    • Honey: mittig (1:2.2) für Balance
    • Sauer/unterextrahiert? feiner mahlen, höherer Yield. Bitter/überextrahiert? gröber, kürzer.

Hinweis: Wasserqualität und Mühle beeinflussen die Extraktion stärker als kleine Rezept-Änderungen. Konsistenz schlägt Perfektion – dokumentiere deine Anpassungen.

FAQ

Was ist Third Wave Coffee?

Third Wave Coffee beschreibt eine Bewegung, die Kaffee als hochwertiges Lebensmittel versteht: transparenter Ursprung, schonende Röstung, präzise Zubereitung und Fokus auf sensorische Qualität.

In welchen deutschen Städten ist Third Wave Coffee besonders verbreitet?

Schwerpunkte sind Berlin, Hamburg, München, Köln und Leipzig. Dort finden sich viele Specialty-Röstereien, kompetente Baristi und Cafés mit Filter- und Espresso-Fokus.

Ist Third Wave Coffee immer Specialty Coffee?

Meist ja, denn Third Wave setzt auf hohe Rohkaffeequalität, Rückverfolgbarkeit und faire Preise. Formal gilt Specialty ab ca. 80+ SCA-Punkten, was viele Third-Wave-Kaffees erfüllen.

Welche Zubereitung passt zu washed, natural und honey?

Washed: Pour-over wie V60 für Klarheit. Natural: AeroPress oder Flat-Bed-Dripper für Körper. Honey: vielseitig, als Filter oder heller Espresso mit moderater Extraktion.

Weiterführende Schritte: Besuche Cuppings in deiner Stadt, vergleiche Aufbereitungen im Direktvergleich, experimentiere mit Wasserrezepturen und dokumentiere deine Brühparameter. Empfehlenswert sind außerdem SCA-Ressourcen, Röster-Blogs und lokale Barista-Workshops.

 

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